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Ein Beispiel erfolgreicher,interdisziplinärerZusammenarbeit

 

„Dschinges Khan“ ist ein 1997 geborener Russischer Araber und wurde im August 2005 von seiner jetzigen Besitzerin gekauft um reiterlich weiter zu kommen und an Turnieren teilzunehmen.

 

Da er erst ein par Monate vorher gelegt wurde, war er sehr temperamentvoll und leistete sich zwei Unfälle. Beim ersten stürzte er bei einem Sprung über den Zaun auf den Rücken und musste am Bein genäht werden. Beim zweiten Mal schlug er nach einem anderen Pferd aus und blieb im Metalltor hängen. Erst 20 min. später konnte er von der Feuerwehr befreit werden. Außer Quetschungen und oberflächlicheren Verletzungen konnte der Tierarzt keine weiteren Schäden feststellen.

Trotzdem lief er nicht mehr klar. Es folgte Untersuchungen in einer Tierklinik, wo eine Überstreckung der Kniebänder diagnostiziert und behandelt wurde, sowie 5 Behandlungen durch eine „Pferdeosteopathin“. Nichts von dem brachte dauerhafte Entspannung, er lahmte nach wie vor und konnte nie länger als 2 – 3 Monate am Stück geritten werden. Hinzu kamen ständig auftretende Hufabszesse.

Bereits total frustriert, mit Rechnungen in dreistelliger Höhe belastet und sich mit dem Gedanken tragend ihn wieder zu verkaufen, kam September 2007 der Höhepunkt: Eine durch ein neues Pferd eingeschleppte Druse: Die Antibiotikatherapie eines Tierarztes  brachte nicht den erwünschten Erfolg, drei Pferde waren betroffen, Dschinges Khan am schwersten. Angesicht seines Gesamtzustandes wundert dies nicht. Darum suchte  die Besitzerin zusätzlich Hilfe bei einer Tierheilpraktikerin.

 
 

Die Aufspaltung und Abheilung aller Drusenabszesse bei den drei Pferden gelang mittels Homöopathie, nur ein Abszess an der Ohrspeicheldrüse des Arabers wurde so groß, dass ein anderer Tierarzt hinzugezogen wurde. Der Abszess wurde fachgerecht gespalten, eine Drainage gelegt, Penizillin gegeben und Khan ging es zunehmend besser.

Anmerkungen zu den Hufen konnte sich die Tierheilpraktikerin und Huforthopädin in diesem Fall nicht verkneifen, auch weil diese erst seit vier Beschlagsperioden unter Eisen waren. Die Besitzerin konnte glaubhaft versichern, dass der letzte Beschlag ca. 6 Wochen zurücklag. Die kritischen Anmerkungen wurden nach anfänglichem Zögern doch ernst genommen, denn die Hufe präsentierten sich in einem katastrophalen Zustand. Dieser und der weitere Verlauf wird beispielhaft anhand des linken Vorderhufes demonstriert.

 

 

Ein Spannungsriss im linken Vorderhuf wurde hilflos aufgefräst und nicht nur quer, sondern auch großflächig darüber geraspelt - zu welchem Zweck auch immer. Die Eisen wurden als verzweifelte Maßnahme gegen die immer breiter werdenden Hufe so eng gelegt, dass sie nach 6 Wochen an allen Hufen kaum noch sichtbar waren. Horizontal verlaufende Abszessaufbrüche, Rillen, Spannungsrisse und vieles mehr zeugten von der Not der Hufe. In der Seitenansicht wird die deutlich wie sehr der Huf unter dem Schwerpunkt der Gliedmaße nach vorne heraus gelaufen ist. Die sogenannte Huf-Fessel-Achse ist deutlich verbogen, die parallel zum Boden liegenden Hornröhrchen können ihre Funktion (Aufnahme des Bodengegendruckes) in keinster Weise mehr erfüllen. Auch die stark beraspelte Zehe („Bullnase“) kann nur als hilfloser Versuch gewertet werden mit der vertrackten Situation irgendwie zu recht zu kommen.

Während der Hufbearbeitung fielen massive Probleme an der Hinterhand auf. Das Pferd war kaum in der Lage die Hinterhufe zugeben und entzog sich mit dem linken Hinterbein, es schwankte dabei stark. Die Huforthopädin konnte nicht anders als das Pferd als „Baustelle“ zu bezeichnen, die man Stück für Stück in Ordnung bringen muss.

Darum wurde eine Vorstellung bei Pferdeosteopathen Janek Vluggen dringend empfohlen, was dann auch Ende 2007 sofort in die Tat umgesetzt wurde:

Herr Vluggens Diagnosen besagten, dass das Ileosakralgelenk beidseits nach vorne festsaß sowie das linke Becken, passend dazu die linke Kniescheibe. Außerdem waren beide Knie nach aussen gedreht und saßen in dieser Position fest. Durch das Kippen von hinten nach vorne waren auch der 4. und der 5. Brustwirbel in Mitleidenschaft gezogen. Hauptproblem war das Kreuzbein, das leider typbedingt gerne die korrekte Position verliert. Die Organe waren ohne Befund, doch die katastrophalen Hufzustände mussten die genannten Zustände verschlimmern. So wurde auch eine Überstreckung der Bicepssehne festgestellt.

Des weiteren gab es eine starke Blockade im linken Kiefergelenk und es wurde nahe gelegt die Zähne behandeln zu lassen, was Anfang 2008 durch einen Tierarzt durchgeführt wurde.

Nach Abnahme der Eisen erholten sich die Hufe im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr schnell, allerdings gab es noch ca. 3 heftige Hufabszesse sowie starke Maukeentwicklung an den hinteren Fesseln. Letztere wurde aber auf Rat der Huforthopädin und Tierheilpraktikerin hin nicht unterdrückt, sondern als Ausleitungs- und Entgiftungsversuche des Organismus akzeptiert:

Die Fotos aus Februar 2008 zeigen, dass die Hufe sofort positiv reagiert haben.

 

Die Hornkapsel hat sich insgesamt aufgerichtet, der Bodengegendruck wird durch die Röhrchen besser aufgenommen, dadurch konnten die Trachtenbereiche auch wieder Abstand zum Boden gewinnen. Die Zehenabweiser  sind noch zu stark, was noch zu gegeneinander arbeitenden Kräften in den Wänden führt und die Risse noch im unteren Bereich aufgezerrt werden. Aber in den oberen Bereichen sieht man deutlich, dass hier Ruhe reinkommt und die Risse nach unten raus wachsen werden.

Das Pferd hat sich insgesamt auffallend positiv entwickelt, es war zudem viel besser in der Lage die Hinterhufe zu geben und während der Bearbeitung ruhig stehen zu bleiben. Nach ein paar Monaten fiel auf, dass diese Probleme allmählich wieder stärker wurden, so wurde er erneut dem Osteopathen vorgestellt. Ein sofortiges, völliges Verschwinden der Schwierigkeiten war auch nicht zu erwarten.

Dieser osteopathischeTermin im Februar 2008 bestätigte, dass Dschinges Khan in weitaus besserem Zustand war, das Kreuzbein war wieder in einer rassetypischen Blockade, das linke Becken und das linke Knie waren ebenfalls immobil. Eine rechte Rippe saß fest, was durch das Reiten häufig passieren kann.

Zum Kontrolltermin im August 2008 waren die Problematiken insgesamt immer noch ähnlich, ein Rückenproblem in der Sattellage kam hinzu, woraufhin sich auch die Besitzerin selbst in osteopathische Behandlung begab, da ihre eigenen Probleme im Rücken das Pferd massiv beeinträchtigten. Auffallend war, dass sich das Kieferproblem noch nicht gelöst hatte, darum wurde empfohlen Dany Welter die Zähne kontrollieren bzw. bearbeiten zu lassen. Dieser kam Anfang September 2008 und entdeckte einen Wolfszahn im linken Kiefer der massive Probleme bereitete. Er zog diesen, bearbeitete das Gebiss nochmals komplett und löste die Kieferblockade, die vorher nicht gelöst werden konnte, da die Ursache ja noch nicht beseitigt worden war.

Einhergehend mit der enorm fortschreitenden positiven Entwicklung der Hufe, brachte dies dem Pferd die nötige Erleichterung, so dass beim osteopathischen Kontrolltermin im März 2009 sich ein völlig anderes Pferd als noch Ende 2007 präsentierte.

Schulter, Knie und Becken waren in Ordnung, es konnten nur normale Nutzungsspuren gefunden und behandelt werden. Das Pferd präsentiert sich ausbalanciert und seiner Rasse entsprechend extrem lauffreudig. Körperbau und Haltung machen einen harmonischeren Gesamteindruck.

Auch die Hufe präsentieren sich nun, anderthalb Jahre nach Beginn der huforthopädischen Behandlung in einem stark verbesserten Zustand. Dschinges Khan wird barfuss im Gelände und auf dem Platz geritten. Die zu Zeiten des Beschlages und zu Beginn der Umstellung auftretenden Hufabszesse sind Vergangenheit. Es gibt noch einiges zu tun, aber man kann erkennen, dass auch die Spalten zur Ruhe kommen. Je länger die Hufe in der besseren Balance gehalten werden, desto besser können die inneren Anteile wie Knochen, Gelenke, Bänder, etc. der neuen verbesserten Form folgen und sich den neuen, verbesserten Bedingungen wieder anpassen. Während der Hufbearbeitung ist der Araber entspannt und kooperativ, ohne panische Sprünge und Sich-auf-hängen um sich zu entziehen.


 
Die Risse wachsen weiterhin raus. Aufgrund des verstärkten Abriebs durch vergnügte Geländeritte gibt es anders gelagerte, aber deutlich leichtere Probleme: der starke Zehenabrieb verlagert zu viel Last auf die Seitenwände, welche infolgedessen hochschieben. Dies ist mittels Anwendung der hufphysikalischen Prinzipien, Mitarbeit der Besitzerin und der immer besser werdenden Hornqualität in den Griff zu bekommen. Die Beine stehen wieder gerade unter Schwerpunkt und können diesen ausbalanciert aufnehmen.

Auch die Hinterhufe mit ursprünglich zu starker Abnutzung in der Zehe  und einer auffallenden „Flügelbildung“ haben sich deutlich normalisiert. Diese Normalisierung wäre ohne die enormen Verbesserungen in den oberen Bereichen des Pferdes nur äußerst schwer erreichbar gewesen.

Nach der jahrelangen Frustrationen sagt die Besitzerin heute: „Ich fühle mich nach 2 Jahren Odyssee endlich sicher betreut und gut beraten und mein Pferd in guten Händen.“ Ihre Begeisterung geht soweit, dass sie sich seid Oktober 2008 zur Huforthopädin am DIfHO ausbilden lässt.

Im direkten Vergleich zeigen die 21 Monate auseinander liegenden Fotos ein in Habitus und Silhouette völlig verwandeltes Pferd:

 




 

Fotos: © DIfHO – A. Georgi